Im Keller ein kulturgeschichtlicher und fotografischer Schatz: Paul Jenkis, Archivar der Basler Mission.
Foto Pino Covino

© Basler Zeitung; 2001-02-16

Von Matthias Wyssmann

Basler Mission im Internet: Eine fotografische Schatzsuche

Die Basler Mission besitzt 50 000 historische Fotos aus Asien und Afrika. Jetzt will sie zusammen mit der CMS und dem Hyperstudio ihren Schatz via Internet zugänglich machen. Auch für die ehemaligen Kolonialländer wird ein reicher Fundus erschlossen. Das Projekt, eine Mischung von Nostalgie und modernster Technologie, hat Pioniercharakter. Im Keller ein kulturgeschichtlicher und fotografischer Schatz: Paul Jenkis, Archivar der Basler Mission. Foto Pino Covino Paul Jenkins, der Archivar der Basler Mission, führt uns in die «Schatzkammer» des Hauses. Er lässt eine schwere Betontür wie beim Tresor einer Bank zur Seite schwingen. Dahinter befindet sich – bombensicher, klimatisiert – ein Luftschutzkeller. Fein säuberlich geordnet und geheimnisvoll nummeriert, stapeln sich die Kartons mit den Fotos, Glasdias und fotografischen Platten: Das ist das Fotoarchiv der Basler Mission (BM). Lange war sich die ehrwürdige Institution nicht bewusst, auf welch gewaltigem Schatz sie sitzt. Heute wissen wir, dass rund 50 000 Bilder aus der Zeit von 1860 bis 1950 im Missionshaus gelagert sind. 1988 wurde eine Forscherin in Washington auf das Archiv aufmerksam – und ein Stein kam ins Rollen: Mittlerweile sind rund 28 000 Bilder elektronisch erfasst. Der nächste Schritt vorwärts ist schon beschlossen: Zusammen mit der Christoph Merian Stiftung (CMS) und dem Hyperstudio (einem Non-Profit-Unternehmen für Neue Medien) will die Basler Mission die Bilder via Internet weltweit zugänglich machen.

Die Archivare

Jenkins berührt die Bilder mit der Vorsicht eines Chirurgen. Die Konservierung des Schatzes war die erste Etappe bei der Neuerschliessung. Die Bilder wurden neu fotografiert und dann auf einer einzigen Video-Laserdisk gespeichert. Die Scheibe sieht aus wie eine Riesenfloppy. Vor zehn Jahren war das die fortschrittlichste Technologie. Heute erscheint sie wie ein historisches Relikt. In endloser Detektivarbeit wurde für jedes Bild eine elektronische Fiche über Herkunft, Autor und Inhalt erstellt. Im Schnitt benötigte man für ein Bild eine halbe Stunde Recherche. Rechnen Sie selbst. Mittels Schlagwörtern kann der Archivbesucher auf die Suche gehen. Jenkins legt die wertvolle Disk ins Laufwerk ein. Innert Sekunden erscheinen die gewünschten Bilder auf einem Bildschirm.

Die Kleinarbeit

Wir tauchen in eine wunderbare versunkene Welt jenseits der Ozeane ein. Wir entdecken Riten, Architektur, Kleider, Alltag, von denen heute in Afrika nur noch wenig zu sehen ist. Jenkins, seine Kollegin Barbara Frey und ein Dutzend Mitarbeiter haben es mit ihrer minuziösen Kleinarbeit geschafft, dass die Erben dieser Kulturen bald in ihrer Vergangenheit stöbern können. Das Internet machts möglich. Ohne die Christoph Merian Stiftung (CMS) bliebe der Sprung ins World Wide Web aber ein kühner Traum. Lange waren die Projektleute auf der Suche nach weiteren Sponsoren. Die Ausbeute war bescheiden, gemessen an der Tragweite einer Sammlung, die schon von der J.-Paul-Getty-Stiftung in Los Angeles unterstützt wurde. Schliesslich entschied die CMS, das Projekt à tout prix zu finanzieren.

Der Quantensprung

«Die Website», sagt CMS-Verlagsleiter Beat von Wartburg, «ist der Abschluss und die Krönung eines langen Projekts. Für uns stellt es einen Quantensprung dar, diesen Schatz gratis übers Internet an jedermann abzugeben. Es ist ein gewaltiges Signal der Basler Mission, von diesem Besitzstand loszulassen und dieses Kulturgut an die Länder zurückzugeben.» Eine finanzielle Nutzung des Archivs dürfte folglich schwierig sein. «Wir hoffen natürlich, dass die Highlights dieser Sammlung auch Geld einbringen», sagt von Wartburg. «Aber mit dem Internet geht natürlich ein Verlagsprodukt verloren, zum Beispiel eine CD-ROM.» In der Schweiz ist das Projekt einzigartig, und international findet es mit seinem Pioniercharakter durchaus Beachtung. Für Basel, sein fotografisches Erbe und für das Hyperstudio, findet von Warburg, bewirke die Website eine positive Ausstrahlung.

Die Designer

Es gibt auf dem Internet – unter der elektronischen Adresse www.hyperstudio.ch/bmpa – einige Fotografien und Ideen zu sehen, wie das künftige Archiv funktionieren könnte. «Mit der endgültigen Website hat das noch wenig zu tun», sagt Projektleiterin Catherine Lutz Walthard. Ein hartes Jahr Arbeit liegt vor ihr und ihrer Crew, bis die Site voraussichtlich im Frühling 2002 aufgeschaltet werden kann. 250 000 Franken hat die CMS schon bewilligt. Nun hoffen die Webdesigner auf weitere 50 000 Franken des Lotteriefonds Baselland. «Die Herausforderung», sagt Lutz, «liegt darin, eine Plattform zu schaffen, die Leuten aus den unterschiedlichsten Kulturen gefällt.» Hyperstudio-Chef Micha Schaub meint: «Für uns ist es auch ein Bildungsprojekt und es wird für unsere Studenten eine Menge interessante Arbeit schaffen.» Das Projekt ist einzigartig, obwohl Tausende von Archiven das Internet entdeckt haben. Aber oft sind ihre Internetportale trocken gestaltet und auf ein relativ beschränktes Publikum zugeschnitten. Die Troika Hyperstudio, CMS und Basler Mission hingegen wollen diesen historischen, vergilbten Schatz mit modernster Technologie, interkultureller Intelligenz und hervorragendem Design verknüpfen.

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Basler Zeitung
2001-02-16